meine Lieder – meine Träume

Schönheit oder Schein? Anna Aicher hat sich in Österreich auf die Suche nach den idyllischen Landschaften und Bildern gemacht, die jeder kennt. Die Realität indes besteht nicht immer nur aus jenem weißblauen Alpenpanorama.

Seit Regisseur Robert Wise mit „The Sound of Music“ einen Film geschaffen hat, der auf der Grundlage des historischen Österreichs ein neues, romantisiertes Bild der Alpen konstruierte, pilgern Jahr für Jahr unzählige Menschen in die Region, auf der Suche nach den Bildern, die sie bereits aus den Filmen, Liedern oder Musicals kennen. Für sie sind die Alpen mehr als die geografisch-politischen Landschaften von Österreich, Süddeutschland, Italien und der Schweiz. Vielmehr sind sie die Gesamtheit aus Umwelt, Geschichte und Kultur, aus Mozart, Sissi und Edelweiß, aus Lederhosen, Trachten und Kuckucksuhren. Es sind wirklichkeitsferne Idealbilder, die unbeeindruckt von realen Gegebenheiten als Sammelbecken von Sehnsüchten und Klischees dienen.

Auf der Suche nach diesem ursprünglichen Paradies begeben sich Menschen in der romantisierten Kulisse von „The Sound of Music“ auf eine Bustour zu den originalen Filmschauplätzen, welche sie vom Mirabellplatz in Salzburg zum Schloss Leopoldskron und weiter über die Wolfgangseer Bundesstraße nach Fuschl am See führt, nach St. Gilgen und zum Mondsee. Immer mit der Kamera in der Hand, auf der Suche nach der Bestätigung des Klischeebildes. Ein Foto für die Familien oder das Fotoalbum daheim. Und doch auch immer wieder mit der Enttäuschung über die Nichterfüllung der eigenen Erwartungen konfrontiert. Diese Momente, in denen die Blase zerplatzt, die Kulisse in sich zusammenfällt und der Kontrast der Wirklichkeit zur selbsterschaffenen „true fiction“ zum Spiegel der eigenen Sehnsüchte wird, hinterfragen nicht nur nostalgische Heimatgefühle, sie offenbaren auch die Glorifizierung der Vergangenheit als „gute alte Zeit“.

„Cream colored ponie and crisp apple strudels, doorbells and sleigh bells and schnitzels with noodles. Wild gese that fly with the moon on their wings. These are a few of my favorite things."

 

My favorite things by Rodgers and Hammerstein 1959


Anna Aicher

Anna Aicher

arbeitet als freie Fotografin in den Bereichen Porträt, Reportage und Unternehmenskommunikation unter anderem für muehlhausmoers.